Glossar der Inklusion

    Fachbegriffe aus Schulbegleitung, Inklusion und Eingliederungshilfe — verständlich erklärt.

    1:1-Begleitung

    Die individuelle Zuordnung einer Schulbegleitung zu einem einzelnen Kind — das klassische Modell der Schulbegleitung.

    ADHS

    Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung — eine der häufigsten Diagnosen bei Kindern mit Förderbedarf in der Schule.

    Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

    Neurologische Entwicklungsstörung, die sich auf soziale Interaktion, Kommunikation und Verhalten auswirkt.

    Bedarfsermittlung

    Der standardisierte Prozess zur Feststellung des individuellen Hilfebedarfs — seit dem BTHG auf Basis der ICF.

    Bundesteilhabegesetz (BTHG)

    Das zentrale Reformgesetz von 2017, das die Eingliederungshilfe grundlegend modernisiert und die Rechte von Menschen mit Behinderung stärkt.

    Differenzierung

    Ein didaktisches Konzept, bei dem Lehrkräfte Unterrichtsinhalte und -methoden an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler:innen anpassen.

    Down-Syndrom (Trisomie 21)

    Eine genetische Besonderheit, bei der das Chromosom 21 dreifach vorliegt — eine der häufigsten Diagnosen im Kontext Schulbegleitung und Inklusion.

    Eingliederungshilfe

    Sozialleistung zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, einschließlich Schulbegleitung.

    Emotional-soziale Entwicklungsstörung

    Der zweithäufigste Förderschwerpunkt — betrifft Kinder mit erheblichen Schwierigkeiten in Verhalten, Emotionsregulation und sozialer Interaktion.

    Feststellungsbescheid

    Amtliches Dokument, das Art und Umfang des Förderbedarfs oder den Grad der Behinderung bestätigt.

    Förderplan

    Ein schulinternes Dokument, das die individuellen Lernziele und Fördermaßnahmen für ein Kind mit Förderbedarf festlegt.

    Förderschule

    Eine Schulform speziell für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf — Eltern haben in der Regel ein Wahlrecht zwischen Förderschule und Regelschule.

    Förderschwerpunkt

    Kategorie des sonderpädagogischen Förderbedarfs, z.B. Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, Sprache oder geistige Entwicklung.

    Gemeinsames Lernen

    Der in NRW verwendete Begriff für den inklusiven Unterricht von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf an Regelschulen.

    Gesamtplanverfahren

    Das durch das BTHG eingeführte Verfahren zur Koordination aller Teilhabeleistungen — es löst das bisherige Hilfeplanverfahren schrittweise ab.

    Grad der Behinderung (GdB)

    Maß für die Auswirkung einer Behinderung auf die Teilhabe am Leben, festgestellt durch das Versorgungsamt.

    Hilfeplanverfahren

    Strukturierter Prozess zur Feststellung des individuellen Unterstützungsbedarfs und Planung der Eingliederungshilfe.

    ICD-11

    Die aktuelle Version des internationalen Diagnoseschlüssels der WHO — relevant für die Antragstellung bei Eingliederungshilfe und Schulbegleitung.

    ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit)

    Ein WHO-Standard zur Beschreibung von Gesundheit und Behinderung — seit dem BTHG die Grundlage der Bedarfsermittlung in der Eingliederungshilfe.

    Inklusion

    Das gleichberechtigte Zusammenleben und -lernen aller Menschen — unabhängig von Behinderung, Herkunft oder anderen Merkmalen.

    Integrationshelfer:in

    Synonym für Schulbegleiter:in — eine Person, die Kinder mit Behinderung im Schulalltag begleitet.

    Jugendamt

    Kommunale Behörde, die u.a. für die Eingliederungshilfe bei seelischer Behinderung von Kindern und Jugendlichen zuständig ist.

    Legasthenie / LRS

    Eine Lese-Rechtschreib-Störung, die als Teilleistungsstörung anerkannt ist — besonders relevant für Nachteilsausgleich in der Schule.

    Lernbehinderung

    Ein Förderschwerpunkt für Kinder, die dauerhaft und umfassend in ihren Lernmöglichkeiten eingeschränkt sind — der häufigste Förderschwerpunkt in Deutschland.

    Nachteilsausgleich

    Maßnahmen zum Ausgleich behinderungsbedingter Nachteile in der Schule, z.B. Zeitzuschläge oder angepasste Prüfungsbedingungen.

    Persönliches Budget

    Eine alternative Leistungsform, bei der Menschen mit Behinderung Geld statt Sachleistungen erhalten und ihre Hilfe selbst organisieren.

    Poolmodell

    Ein Organisationsmodell, bei dem sich mehrere Kinder mit Förderbedarf eine oder mehrere Schulbegleitungen teilen.

    Schulamt

    Die untere Schulaufsichtsbehörde — zuständig für die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs und die Zuweisung zu Schulen.

    Schulbegleiter:in

    Person, die ein Kind mit Behinderung oder besonderem Förderbedarf individuell im Schulalltag unterstützt.

    Schulpflicht

    Die gesetzliche Pflicht zum Schulbesuch — sie gilt für alle Kinder, auch für Kinder mit Behinderung, und begründet den Anspruch auf Unterstützung.

    Schulpsychologischer Dienst

    Eine kommunale Beratungsstelle für Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte bei schulischen Problemen und Krisen.

    Selbstbestimmung

    Das Leitprinzip des BTHG: Menschen mit Behinderung sollen über ihr Leben und ihre Unterstützung selbst entscheiden können.

    SGB IX

    Neuntes Sozialgesetzbuch — Rehabilitation und Teilhabe. Regelt die Eingliederungshilfe für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung.

    SGB VIII

    Achtes Sozialgesetzbuch — Kinder- und Jugendhilfe. Regelt u.a. die Eingliederungshilfe für Kinder mit seelischer Behinderung (§35a).

    Sonderpädagogischer Förderbedarf

    Die formale Feststellung, dass ein Kind aufgrund einer Behinderung oder Beeinträchtigung besondere schulische Unterstützung benötigt.

    Sozialamt

    Kommunale Behörde, die für die Eingliederungshilfe bei körperlicher und geistiger Behinderung zuständig ist.

    Teilhabe

    Der zentrale Rechtsbegriff im Sozialrecht: die gleichberechtigte Beteiligung von Menschen mit Behinderung an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.

    Teilhabeassistenz

    Moderner Begriff für Schulbegleitung — betont die Unterstützung zur gleichberechtigten Teilhabe.

    Teilhabeplan

    Individueller Plan, der den Unterstützungsbedarf eines Menschen mit Behinderung festlegt und die Ziele der Eingliederungshilfe definiert.

    UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK)

    Internationales Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen — seit 2009 in Deutschland geltendes Recht.

    Widerspruchsverfahren

    Das rechtliche Mittel für Eltern, wenn ein Antrag auf Eingliederungshilfe oder Schulbegleitung abgelehnt wird.