Glossar
Glossar der Inklusion
Fachbegriffe aus Schulbegleitung, Inklusion und Eingliederungshilfe, verständlich erklärt.
42 Begriffe
1:1-Begleitung
Die individuelle Zuordnung einer Schulbegleitung zu einem einzelnen Kind: das klassische Modell der Schulbegleitung.
Begriff lesenADHS
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung: eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter.
Begriff lesenAutismus-Spektrum-Störung (ASS)
Tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich vor allem auf soziale Kommunikation und Interaktion auswirkt und mit eingeschränkten, sich wiederholenden Verhaltensweisen und Interessen einhergeht.
Begriff lesenBedarfsermittlung
Die Bedarfsermittlung ist der Schritt, in dem das zuständige Amt feststellt, welche Unterstützung ein Kind im Schulalltag tatsächlich braucht. Grundlage sind in der Regel ärztliche Unterlagen, Stellungnahmen der Schule und Gespräche mit der Familie.
Begriff lesenBundesteilhabegesetz (BTHG)
Das zentrale Reformgesetz, 2016 beschlossen und seit 2017 in Stufen in Kraft, das die Eingliederungshilfe grundlegend neu geordnet und die Rechte von Menschen mit Behinderung gestärkt hat.
Begriff lesenDifferenzierung
Ein didaktisches Konzept, bei dem Lehrkräfte Unterrichtsinhalte und -methoden an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler:innen anpassen.
Begriff lesenDown-Syndrom (Trisomie 21)
Eine genetische Besonderheit, bei der das Chromosom 21 ganz oder teilweise dreifach vorliegt, und eine der häufigsten angeborenen Chromosomenbesonderheiten.
Begriff lesenEingliederungshilfe
Eingliederungshilfe ist die staatliche Leistung, die Kindern mit einer Behinderung oder drohenden Behinderung gleichberechtigte Teilhabe ermöglichen soll. Im Schulalltag ist Schulbegleitung die bekannteste Form der Eingliederungshilfe.
Begriff lesenFeststellungsbescheid
Amtliches Dokument, das Art und Umfang des Förderbedarfs oder den Grad der Behinderung bestätigt.
Begriff lesenFörderplan
Ein schulinternes Dokument, das die individuellen Lernziele und Fördermaßnahmen für ein Kind mit Förderbedarf festlegt.
Begriff lesenFörderschule
Eine Schulform speziell für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. In NRW ist das Gemeinsame Lernen an der allgemeinen Schule der Regelfall, Eltern können stattdessen eine Förderschule wählen.
Begriff lesenFörderschwerpunkt
Kategorie des sonderpädagogischen Förderbedarfs, z.B. Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, Sprache oder geistige Entwicklung.
Begriff lesenFörderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung (ESE)
Gemeint ist der Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung: Er betrifft Kinder mit erheblichen Schwierigkeiten in Verhalten, Emotionsregulation und sozialer Interaktion und gehört zu den Förderschwerpunkten mit deutlich gestiegenen Schülerzahlen.
Begriff lesenGemeinsames Lernen
Der in NRW verwendete Begriff für den inklusiven Unterricht von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf an Regelschulen.
Begriff lesenGesamtplanverfahren
Das Gesamtplanverfahren ist das strukturierte Verfahren des Sozialamts, mit dem der Unterstützungsbedarf eines Kindes mit körperlicher oder geistiger Behinderung festgestellt und die passende Hilfe geplant wird. Es ist das Gegenstück zum Hilfeplanverfahren des Jugendamts und begleitet die bewilligte Leistung, etwa eine Schulbegleitung, über die gesamte Laufzeit.
Begriff lesenGrad der Behinderung (GdB)
Maß für die Auswirkung einer Behinderung auf die Teilhabe am Leben, festgestellt auf Antrag durch die zuständige Behörde (oft noch Versorgungsamt genannt, in NRW der Kreis oder die kreisfreie Stadt).
Begriff lesenHilfeplanverfahren
Das Verfahren des Jugendamts nach § 36 SGB VIII, in dem der Unterstützungsbedarf eines Kindes festgestellt und die Hilfe, etwa eine Schulbegleitung nach § 35a SGB VIII, gemeinsam geplant wird.
Begriff lesenI-Helfer:in
Kurzform von Integrationshelfer:in; dieselbe Tätigkeit wie Schulbegleiter:in, Integrationskraft (I-Kraft) oder Inklusionshelfer:in.
Begriff lesenICD-11
Die ICD-11 ist die aktuelle Fassung der internationalen Klassifikation der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Nachfolger der ICD-10. In Deutschland ist sie noch nicht eingeführt: In ärztlichen Berichten und Gutachten über Ihr Kind finden Sie derzeit meist Codes der deutschen Fassung ICD-10-GM.
Begriff lesenICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit)
Ein WHO-Standard zur Beschreibung von Gesundheit und Behinderung. Seit dem BTHG müssen sich die Instrumente zur Bedarfsermittlung in der Eingliederungshilfe nach dem SGB IX an der ICF orientieren.
Begriff lesenInklusion
Inklusion ist die Leitidee, dass alle Kinder von Anfang an gemeinsam lernen und die Schule sich an die Vielfalt ihrer Schülerinnen und Schüler anpasst, nicht umgekehrt. Schulbegleitung ist dabei ein wichtiges Werkzeug, um inklusive Bildung im Alltag möglich zu machen.
Begriff lesenIntegrationshelfer:in
Synonym für Schulbegleiter:in: eine Person, die Kinder mit Behinderung im Schulalltag begleitet.
Begriff lesenJugendamt
Das Jugendamt ist die Behörde, die über Schulbegleitung entscheidet, wenn ein Kind eine seelische Beeinträchtigung hat, zum Beispiel Autismus, ADHS oder eine Angststörung. Rechtsgrundlage ist die Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII.
Begriff lesenLegasthenie / LRS
Legasthenie, fachlich Lese-Rechtschreib-Störung (LRS), bezeichnet ausgeprägte und anhaltende Schwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben, die nicht durch mangelnde Intelligenz oder fehlendes Üben erklärbar sind. Betroffene Kinder haben in der Schule Anspruch darauf, dass ihre Situation berücksichtigt wird, etwa durch einen Nachteilsausgleich.
Begriff lesenLernbehinderung
Lernbehinderung ist ein älterer Sammelbegriff für lang anhaltende, umfassende Schwierigkeiten beim schulischen Lernen, der heute meist durch die Bezeichnung sonderpädagogischer Förderbedarf im Förderschwerpunkt Lernen ersetzt wird. Gemeint sind Kinder, die dem regulären Lerntempo dauerhaft nicht folgen können und besondere Unterstützung benötigen.
Begriff lesenNachteilsausgleich
Maßnahmen zum Ausgleich behinderungsbedingter Nachteile in der Schule, z.B. Zeitzuschläge oder angepasste Prüfungsbedingungen.
Begriff lesenPersönliches Budget
Eine alternative Leistungsform, bei der Menschen mit Behinderung Geld statt Sachleistungen erhalten und ihre Hilfe selbst organisieren.
Begriff lesenPoolmodell
Ein Organisationsmodell, bei dem sich mehrere Kinder mit Förderbedarf eine oder mehrere Schulbegleitungen teilen.
Begriff lesenSchulamt
Die untere Schulaufsichtsbehörde. In NRW ist sie unter anderem für das Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs an Grund- und Hauptschulen zuständig.
Begriff lesenSchulbegleiter:in
Person, die ein Kind mit einer Behinderung oder drohenden Behinderung individuell im Schulalltag unterstützt.
Begriff lesenSchulpflicht
Die gesetzliche Pflicht zum Schulbesuch. Sie gilt grundsätzlich für alle Kinder, auch für Kinder mit Behinderung.
Begriff lesenSchulpsychologischer Dienst
Eine Beratungsstelle für Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte bei schulischen Problemen und Krisen, je nach Bundesland bei der Kommune oder der staatlichen Schulverwaltung angesiedelt.
Begriff lesenSelbstbestimmung
Ein Leitprinzip des BTHG: Menschen mit Behinderung sollen über ihr Leben und ihre Unterstützung selbst entscheiden können.
Begriff lesenSGB IX
Das SGB IX ist das Neunte Buch Sozialgesetzbuch und regelt die Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Für die Schulbegleitung ist § 112 zentral: die Leistungen zur Teilhabe an Bildung für Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung.
Begriff lesenSGB VIII
Das SGB VIII ist das Achte Buch Sozialgesetzbuch und regelt die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Für die Schulbegleitung ist vor allem § 35a wichtig: die Eingliederungshilfe für Kinder mit einer seelischen Beeinträchtigung.
Begriff lesenSonderpädagogischer Förderbedarf
Die formale Feststellung, dass ein Kind aufgrund einer Behinderung oder Beeinträchtigung besondere schulische Unterstützung benötigt.
Begriff lesenSozialamt
Das Sozialamt ist die Behörde, die über Schulbegleitung entscheidet, wenn ein Kind eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung hat. Rechtsgrundlage sind die Leistungen zur Teilhabe an Bildung nach § 112 SGB IX.
Begriff lesenTeilhabe
Teilhabe ist der Leitbegriff des deutschen Sozialrechts und meint die gleichberechtigte, aktive Mitwirkung am Leben in der Gemeinschaft. In der Schule bedeutet Teilhabe, dass ein Kind wirklich mitlernen, mitmachen und dazugehören kann, nicht nur körperlich anwesend ist.
Begriff lesenTeilhabeassistenz
Neuerer Begriff für Schulbegleitung, der die Unterstützung zur gleichberechtigten Teilhabe betont.
Begriff lesenTeilhabeplan
Plan nach § 19 SGB IX, der erstellt wird, wenn mehrere Rehabilitationsträger oder Leistungen verschiedener Leistungsgruppen beteiligt sind, und der diese Leistungen aufeinander abstimmt.
Begriff lesenUN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK)
Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ist ein völkerrechtliches Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, das in Deutschland seit 2009 verbindlich gilt. Ihr Artikel 24 verankert das Recht auf inklusive Bildung und bildet damit einen wichtigen Hintergrund für Unterstützung im Schulalltag wie die Schulbegleitung.
Begriff lesenWiderspruchsverfahren
Der erste Rechtsbehelf für Eltern, wenn ein Antrag auf Eingliederungshilfe oder Schulbegleitung ganz oder teilweise abgelehnt wird.
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