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    Das ist doch pädagogisch: Warum viele Ablehnungen gegen die Rechtsprechung stehen

    Von Jonah, Geschäftsführer

    Es ist einer der häufigsten Sätze in Ablehnungsbescheiden: Die beantragte Unterstützung sei "pädagogisch" und damit Aufgabe der Schule, nicht der Eingliederungshilfe. Klingt plausibel. Steht aber in Spannung zu dem, was Bundessozialgericht und Oberverwaltungsgericht NRW seit Jahren entscheiden. In unserer Studie zur Schulbegleitung in NRW haben wir diese Rechtsprechung vollständig aufgearbeitet. Hier die Kurzfassung für Eltern.

    Der Kernbereich ist eng, nicht breit

    Die Gerichte nennen den Teil, den die Schule selbst schuldet, den Kernbereich pädagogischer Arbeit. Er umfasst die Unterrichtsgestaltung: Lernziele, Stoff, Didaktik, Noten. Das war es. Alles, was daneben den Schulbesuch absichert, kann Eingliederungshilfe sein.

    Konkret heißt das nach der Rechtsprechung: Motivations- und Konzentrationshilfe im Unterricht ist Absicherung, keine Stoffvermittlung (OVG NRW, 12 B 136/15). Pause und Raumwechsel liegen eindeutig außerhalb des Kernbereichs (OVG NRW, 12 A 1350/14). Lebenspraktische Hilfen wie Toilettengang, Essen oder einfache Überwachung sind typische Assistenz. Und das Bundessozialgericht hat 2019 klargestellt, dass dieselbe enge Definition an Förderschulen gilt (B 8 SO 2/18 R). Der Satz "an der Förderschule sind doch Profis, da braucht es keine Begleitung" ist damit rechtlich erledigt.

    Nachrang heißt nicht: die Schule müsste das eigentlich können

    Ämter berufen sich bei Ablehnungen oft auf den Nachrang der Eingliederungshilfe gegenüber der Schule. Der Nachrang gilt tatsächlich, aber er trägt eine Ablehnung nur, soweit die Schule den Bedarf wirklich deckt. Nicht, soweit sie ihn decken sollte oder mit mehr Personal decken könnte. Eine Schule, die keinen Menschen frei hat, der Ihr Kind in der Pause begleitet, deckt diesen Bedarf nicht. Dann greift die Eingliederungshilfe, unabhängig davon, wie man die Tätigkeit etikettiert.

    Auch die Inklusionspauschale des Landes ändert daran nichts: Sie finanziert systemisches Personal an Schulen des Gemeinsamen Lernens und darf die individuellen Ansprüche nach Paragraf 35a und Paragraf 112 ausdrücklich nicht ersetzen.

    Was Sie im Widerspruch schreiben sollten

    Der wichtigste Rat aus der Studie: Führen Sie nicht den Streit um das Wort "pädagogisch". Den haben die Gerichte bereits entschieden. Beschreiben Sie stattdessen den Alltag, möglichst konkret: Was tut die Begleitung (oder müsste sie tun), was tut die Lehrkraft, und was passiert an einem Tag ohne Begleitung? Wann kippt es, in welcher Stunde, in welcher Pause? Genau diese Alltagsbeschreibung ist es, woran das Amt und im Zweifel das Gericht die Abgrenzung prüft.

    Die Frist für den Widerspruch beträgt einen Monat. Bei Paragraf 35a geht es danach zum Verwaltungsgericht, bei Paragraf 112 zum Sozialgericht. Wie der Widerspruch aufgebaut sein sollte, steht in unserem FAQ zur Ablehnung. Wir unterstützen Familien kostenfrei bei Erstantrag, Verlängerung und Widerspruch.

    Alle Urteile mit Aktenzeichen und die vollständige Herleitung finden Sie in Kapitel 2 und 6 der Studie.

    Jonah

    Geschäftsführer von Starke Schultern

    Und jetzt?

    Der nächste Schritt ist kleiner, als Sie denken.

    Egal, ob Sie sich gerade erst informieren oder der Antrag schon läuft: Wählen Sie, was zu Ihnen passt. Für Familien kostenlos.

    Starke Schultern begleitet Familien vom ersten Gedanken bis zur Bewilligung und übernimmt danach die Schulbegleitung.