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    Schulen für Kinder mit ADHS: Was Eltern wissen sollten

    Von Laura, Sozialpädagogin(erstmals 23. April 2024)

    Schulen für Kinder mit ADHS: Was Eltern wissen sollten

    Die Wahl der richtigen Schule für Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) stellt viele Eltern vor eine große Herausforderung. Jedes Kind ist einzigartig, und besonders bei Kindern mit ADHS gibt es Anforderungen, die beachtet werden sollten. In diesem Leitfaden erklären wir, worauf Eltern bei der Wahl einer Schule für Kinder mit ADHS achten können, welche Schulformen in Frage kommen und welche Maßnahmen Schulen treffen können, um das Lernen zu erleichtern.

    Was ist ADHS und wie wirkt es sich auf das Lernen aus?

    Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologisch mitbedingte Entwicklungsstörung, die sich vor allem durch anhaltende Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität zeigt. Diese Verhaltensweisen erschweren es betroffenen Kindern oft, dem Unterricht zu folgen und sich auf schulische Aufgaben zu konzentrieren. Internationale Übersichtsarbeiten schätzen, dass etwa 5 % der Kinder und Jugendlichen weltweit betroffen sind. In Deutschland haben nach Angaben der Eltern 4,4 % der 3- bis 17-Jährigen schon einmal eine ADHS-Diagnose erhalten (KiGGS Welle 2, Robert Koch-Institut).

    Hauptsymptome von ADHS

    • Unaufmerksamkeit: Schwierigkeiten, sich auf Aufgaben zu konzentrieren, häufiges Verlegen von Gegenständen.
    • Hyperaktivität: Ständig in Bewegung sein, Probleme ruhig zu sitzen.
    • Impulsivität: Schnell reagieren, ohne nachzudenken, Schwierigkeiten zu warten.

    Diese Symptome können nicht nur im Alltag zu Schwierigkeiten führen, sondern auch die schulischen Leistungen der Kinder beeinflussen. Eine individuelle Förderung und pädagogisch abgestimmte Maßnahmen sind daher wichtig.

    Welche Schulformen kommen für Kinder mit ADHS in Frage?

    Die Wahl der Schule kann für ein Kind mit ADHS einen Unterschied machen. Eine Schulform, die für alle Kinder mit ADHS am besten geeignet ist, gibt es aber nicht. In Frage kommen zum Beispiel:

    1. Allgemeine Schulen mit individueller Förderung

    In NRW ist das Gemeinsame Lernen an der allgemeinen Schule der Regelfall. Auch an Grundschulen und weiterführenden Schulen gibt es Möglichkeiten, Kinder mit ADHS zu unterstützen, etwa durch Förderunterricht, zusätzliche Bewegungspausen, einen ruhigeren Arbeitsplatz oder einen Nachteilsausgleich. Schulen des Gemeinsamen Lernens haben zusätzlich sonderpädagogische Lehrkräfte.

    2. Förderschulen

    Eine eigene Förderschule „für ADHS“ gibt es nicht. Hat ein Kind einen festgestellten Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung, etwa im Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung, kann auch eine Förderschule in Frage kommen. Dort sind die Klassen in der Regel kleiner. Voraussetzung ist ein Feststellungsverfahren nach der AO-SF, das in der Regel die Eltern beantragen.

    3. Private Schulen mit eigenem pädagogischem Konzept

    Einige Schulen in freier Trägerschaft arbeiten mit besonderen Konzepten, zum Beispiel Montessori-Schulen, Waldorf-Schulen oder Freie Alternativschulen. Sie legen oft Wert auf selbstbestimmtes und individuelles Lernen. Ob das einem Kind mit ADHS hilft, ist sehr unterschiedlich: Manche Kinder profitieren von der Freiheit, andere brauchen gerade klare Strukturen.

    4. Gesamtschulen und andere Schulen des längeren gemeinsamen Lernens

    Gesamtschulen und Sekundarschulen unterrichten Kinder mit unterschiedlichen Leistungsprofilen gemeinsam. Viele von ihnen sind Schulen des Gemeinsamen Lernens. Welche Unterstützung es konkret gibt, unterscheidet sich von Schule zu Schule.

    Wichtige Faktoren, auf die Eltern achten können

    1. Klassengröße und Lernumgebung

    Weniger Kinder im Raum und eine ruhige Lernumgebung können Ablenkungen verringern und der Lehrkraft mehr Zeit für einzelne Kinder geben. Fragen Sie bei der Schule nach, wie groß die Klassen sind und ob es Rückzugsmöglichkeiten gibt.

    2. Strukturiertes, aber flexibles Lernumfeld

    Kindern mit ADHS hilft oft ein strukturierter Tagesablauf mit klaren Regeln und Erwartungen. Gleichzeitig ist es wichtig, Flexibilität im Unterricht zu bieten, damit Kinder Pausen einlegen können, wenn sie diese benötigen, und verschiedene Arten des Lernens nutzen können, etwa visuelles oder praktisches Lernen.

    3. Angepasste Lehrmethoden

    Individuelles Lernen ist für Kinder mit ADHS besonders wichtig. Lehrkräfte sollten auf die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen können. Häufig genutzt werden zum Beispiel:

    • visuelle Hilfen wie Tagespläne und Checklisten
    • kurze Bewegungspausen
    • Aufgaben, die in kleine, überschaubare Schritte aufgeteilt sind

    4. Geschultes Personal

    Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Fortbildung des Schulpersonals. Lehrkräfte, die ADHS verstehen, können gezielter fördern und Konflikte früher auffangen.

    Praktische Tipps für Eltern bei der Wahl der Schule

    • Schulbesuche und Gespräche: Nehmen Sie sich Zeit, um verschiedene Schulen zu besuchen. Sprechen Sie mit Lehrkräften und der Schulleitung, um zu verstehen, welche Unterstützung es für Kinder mit ADHS gibt.
    • Individuelle Förderung: Fragen Sie, wie die Schule Förderpläne erstellt und wie sie mit Nachteilsausgleichen umgeht.
    • Beratungsangebote: Gibt es Beratungslehrkräfte, Schulsozialarbeit oder eine Anbindung an die schulpsychologische Beratungsstelle? Diese Angebote können eine große Hilfe sein.
    • Schulbegleitung: Reicht die Unterstützung der Schule nicht aus, kann eine Schulbegleitung in Frage kommen. Sie ist an jeder Schulform möglich und wird bei ADHS in der Regel beim Jugendamt beantragt (§ 35a SGB VIII).

    Häufig gestellte Fragen zu Schulen für Kinder mit ADHS

    1. Sind spezielle Schulen besser als allgemeine Schulen?

    Das hängt vom einzelnen Kind ab. Einige Kinder profitieren von kleineren Klassen und besonderen Konzepten, andere kommen an einer allgemeinen Schule mit zusätzlicher Unterstützung gut zurecht. Ein Gespräch mit der Schule, der schulpsychologischen Beratungsstelle oder der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt kann bei der Entscheidung helfen.

    2. Welche Rolle spielt der Kontakt zwischen Eltern und Lehrkräften?

    Eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrkräften und gegebenenfalls weiteren Fachleuten ist wichtig. Offene und regelmäßige Kommunikation ermöglicht es, frühzeitig auf Probleme zu reagieren und Förderpläne anzupassen.

    3. Was kostet eine besondere Schule für Kinder mit ADHS?

    Öffentliche Schulen einschließlich der Förderschulen sind schulgeldfrei. Schulen in freier Trägerschaft können Elternbeiträge erheben; die Höhe unterscheidet sich stark. Die Krankenkasse übernimmt keine Schulkosten. Eine bewilligte Schulbegleitung ist dagegen unabhängig von der Schulform für Familien kostenfrei.

    Fazit: Die richtige Schule für Kinder mit ADHS finden

    Die Wahl der richtigen Schule für ein Kind mit ADHS erfordert Zeit, Geduld und sorgfältige Überlegung. Es gibt keine „einheitliche Lösung“, da jedes Kind anders ist. Eltern sollten sowohl den Charakter ihres Kindes als auch die Unterstützungsmöglichkeiten der Schule berücksichtigen. Wichtig ist, dass sich das Kind an seiner Schule wohlfühlt und auf seine Bedürfnisse eingegangen wird.

    Haben Sie Fragen zur Schulbegleitung für Ihr Kind? Kontaktieren Sie uns. Wir unterstützen Familien kostenfrei rund um den Antrag.


    Jetzt reinhören: Unser Podcast zum Thema ADHS

    In unserer Podcast-Folge ADHS: Mythen und Hilfe durch Schulbegleitung räumen wir mit verbreiteten Irrtümern auf und zeigen, wie Schulbegleitung Kindern mit ADHS konkret hilft. Jetzt anhören →

    Laura

    Sozialpädagogin bei Starke Schultern

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